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Der weltweite Markt für Altpapier

Der freie Markt ist ein Garant für eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung. Jeder darf speziell in Europa einführen und ausführen, was sich geschäftlich lohnt und den Gesetzen der jeweiligen Länder entspricht. Dabei entstehen bei den einzelnen Branchen immer wieder Schwankungen, die teilweise das Marktgeschehen ganz schön durcheinander bringen können.

Das gilt auch für den Markt des Altpapiers. Der Handel mit Altpapier ist längst zu einem weltweiten Geschäft geworden, das für den Laien manchmal merkwürdige Züge zu haben scheint. Warum exportieren Länder wie Deutschland Altpapier, wenn hier doch die modernsten Recycling-Anlagen der Welt existieren? Das lässt sich auch daran belegen, dass Deutschland sogar viele Tonnen Altpapier importiert. Die Zahlen sind beeindruckend. So wurden aus Deutschland im Jahr 2019 knapp zwei Millionen Tonnen Altpapier ausgeführt, davon 75% in die EU. Auf der anderen Seite sind im gleichen Zeitraum 3,85 Millionen Tonnen Altpapier importiert worden, davon 90% aus der EU. Das ergibt erst dann einen Sinn, wenn man sich die unterschiedlichen Qualitäten des Altpapiers vor Augen führt. Hochwertiges Altpapier ist ein gutes Geschäft für die Recycling-Betreiber, denn aus ihm lässt sich ohne großen Aufwand neues Papier erzeugen. Minderwertiges Altpapier dagegen kann nur mit großen Investitionen und viel Arbeit in neues Papier umgewandelt werden, wobei der Ertrag minimal ist. Dazu spielt die geografische Lage der Händler eine Rolle. Für Händler, die in der Nähe von Seehäfen lokalisiert sind, kann der Export ein Geschäft sein, das mehr Gewinn abwirft. Allerdings muss dabei berücksichtigt werden, dass in vielen Fällen das minderwertige Altpapier höchstens noch den Verbrennungsanlagen zugeführt wird.

Wir wir schon berichtet haben, ist der Markt in den letzten zwei Jahren durcheinander gewirbelt worden, weil in Asien und hauptsächlich China drastische Beschränkungen eingeführt worden sind. In China wie jetzt auch in Indien und anderen Staaten sollen eigene Recycling Strukturen aufgebaut werden, um die heimische Wirtschaft zu entlasten. Das hat dazu geführt, dass die Altpapierströme auf der ganzen Welt ins Stocken geraten sind. Deutschland hat im letzten Jahr 14% weniger exportiert als im Jahr zuvor. Gleichzeitig sind aber die Einfuhren stabil geblieben oder wie im Fall von Italien und Polen sogar gestiegen. Damit entsteht plötzlich ein Überangebot von Altpapier auf dem deutschen Markt. Dieses wird im Moment auf acht Millionen Tonnen geschätzt. Das drückt einerseits auf die Preise. Andererseits befürchten die Verbände, dass der große Anteil minderwertigen Altpapiers dabei die deutschen Recycling-Strukturen unter Wert belasten dürfte.